Pilze finden ist gar nicht so schwer. Mit etwas Wissen im Hintergrund sogar die richtig leckeren, die Dich mit einer fantastischen Pilzpfanne belohnen. Wie, zeige ich Dir hier.

Wo und vor allem wann findet man welche Pilze, welche sind essbar und welche gilt es zu vermeiden? Grade Du, der sicher viel Outdoor unterwegs ist, kennst die regelrechten Pilzteppiche und das Gefühl, gerade irgendwas Fantastisches zu verpassen. Ich stand schon freudeschreiend im Wald, weil ich völlig verrückte Sternstunden hatte – solche, wo man schon aus dem Augenwinkel die nächsten fünf Pilze sieht. Oder wo man sich sagt – „Och nö, der ist nicht schön genug, ich nehme den.“ Das meiste Wissen habe ich über die Jahre von meiner Mutter bekommen, doch auch schon früh von meinem Großvater. Viel weiß ich nicht, dafür das Entscheidende :)…

Der „richtige“ Wald

Ich kenne inzwischen etliche hervorragende Pilzwälder, und doch finde ich selbst in denen stets nur an denselben Stellen meine Pilze. Warum, weiß ich nicht, aber in neuen Wäldern achte ich genau auf ganz bestimmte Stellen, die immer einhergehen mit bestimmten Bäumen:

  • Birken- und Espenhaine, nahe an feuchten Gebieten, gerne auch Moore! Hier finde ich meine Birkenpilze und Rotkappen, meist im September bis in den November.

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  • Im Mischwald auf einzeln stehende Kiefern. Hier finde ich so Seltenheiten wie die Krause Glucke.
  • In Fichten- oder Kiefernwäldern Stellen mit Laubbaumdurchmischung wie Eiche, Linde, Buche – hier ist gut was drin: Rotfußröhrling, Maronenröhrling, Steinpilze, Pfifferlinge, Ziegenlippe, aber auch vereinzelt Rotkappen und Birkenpilze

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  • Allgemein auf Strukturen, die sich von der Gesamtumgebung abheben: moosigere Stellen, feuchtere Stellen, wenig Bodenwuchs (außer Blaubeersträuchern), sehr alte Baumstümpfe oder auch die Stellen mit festerem Waldboden

Der „falsche“ Wald

Wälder, die sehr starken Unterwuchs wie Jungbäume, dichten Grasteppich mit langen Halmen, sehr viel Brombeersträucher usw. aufweisen. Hier habe ich nie Erfolg gehabt, bzw. das sehr wenige nicht gekannt. Auch reine Fichten-Monokulturen ziehen mich nicht gerade an.

Der richtige Zeitpunkt

Los geht es meist ab Mitte Mai, dann kommen nach langen feucht-warmen Perioden bereits die ersten Pfifferlinge, im Juni sind Steinpilze drin und irgendwann im Dezember schaue ich nicht mehr. Aber das ist nur eine Orientierung: Ich habe Weihnachten 2015 an die 500g Pfifferlinge gefunden, bzw. schon Ende April klassische Herbstpilze wie Maronenröhrlinge. Irgendwann bekommt man ein Gefühl, dass es sich bereits lohnen könnte. Aber klassisch ist schon der September/ Oktober. Hier geht man selten als Schneider nach Hause.

Erkenne die Richtigen

Wer sich etwas auskennt, wird gemerkt haben, dass es vor allem Röhrlinge sind, über die ich hier schreibe. Warum? Ganz einfach: Deutlich geringe Verwechslungsgefahr mit anderen Pilzen und bei weitem nicht so viele (tödliche) Varianten wie bei Lamellenpilzen. Wahrscheinlich verpasse ich hier echte Genussmomente – doch gerne verzichte ich auf Abende mit dem Kopf in der Toilettenschüssel, nur weil ich einen einzigen Pilz verkannt habe :).

Wenn ich Pilze nicht von vornherein erkenne, greife ich kurz unter den Hut, um Lamellen oder Röhren zu ertasten. Wenn ich einen Röhrling habe, schaue ich mir besonders den Stamm an: Grade gewachsen oder dicker Fuß? Netzstiel oder angeraut? Farbe? Auch die Hutfarbe oder ob der Pilz bzw. meist dessen Hutunterseite auf Druck blaut gibt mir entscheidende Hinweise, ob vor mir nun der Richtige oder der ungenießbare Vetter steht.

Und wenn ich immer noch unsicher bin, schneide ich ein kleines Stück aus dem Hut und probiere. Der Gallenröhrling zeigt spätestens dann sein falsches Steinpilzgesicht!

Na also! Und nun – Schneiden oder Drehen?

Pilze sind die Fruchtkörper eines Myzels, eines dichten Geflechts im Boden, das häufig eine Symbiose mit bestimmten Bäumen eingeht – daher der Grund, warum ich im Wald bestimmte Stellen ansteuer. Kenne die Bäume und Du weißt, was Du findest! Ob man nun den Pilz abschneidet oder herausdreht, daran scheiden sich die Geister – ich persönlich schneide bspw. die Pilze. Worin man sich jedoch einig ist, dass es hilfreich ist, die Schnittfläche bzw. den „Krater“ nach dem Drehen mit etwas Boden zu bedecken, um ein Austrocknen zu vermeiden. Nur Spezialisten erkennen anhand des herausgedrehten Stumpfes final den korrekten Pilz.

Die Bitte zum Schluss

Es passiert mir noch heute, dass ich Pilze verkenne und zu schnell abschneide, weil ich entscheidende Indizien verkannt habe. Und es fuxt mich jedes Mal, weil ich es hätte vermeiden können. Ich bin der Meinung, dass alles im Wald seine Funktion hat und man damit verantwortlich umgehen muss. Daher immer dran denken: der Griff unter den Hut, ein zweiter Blick und bei Unsicherheit lieber stehen lassen.

Und nun raus in den Wald – die Pilze warten!